Themenfeld invasive Neophyten

 

Kurze Erläutertung des Themenfeldes

Ziel dieses Themenfeldes ist es, herauszufinden in welchem Maße eine Ausbreitung invasiver Neophyten im Landkreis Mansfeld-Südharz durch klimawandelbedingte Veränderungen begünstigt wird und welche Gegenmaßnahmen entsprechend getroffen werden können.

 

Laufende und geplante Aktivitäten im Projekt

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Die Koordinierungsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts beim UfU e.V. wurde mit der Untersuchung der Ausbreitung von Neophyten im Landkreis Mansfeld-Südharz beauftragt. Die Ergbnisse der Untersuchung liegen in folgendem Ergebnisbericht vor: Ergebnisbericht - Untersuchung zur Entwicklung invasiver Neophyten im Landkreis Mansfeld-Südharz

Desweiteren können Sie die zum Ergebnisbericht gehörigen Arbeitskarten unter folgendem Link einsehen: Arbeitskarten zum Ergebnisbericht - Untersuchung zur Entwicklung invasiver Neophyten im Landkreis Mansfeld-Südharz

 

Nachfolgend erhalten Sie eine kurze Zusammenfassung dieser Untersuchung. Hierzu wurden neun Untersuchungsflächen von je 1km2 auf der Grundlage der Ökologischen Flächenstichprobe (ÖFS) ausgewählt. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Nutzungstypen stellen Sie eine charakteristische Stichprobe in diesem Kontext dar.

StichprobenflächeHaupt-NutzungstypenHöhe über NN (m)
Horla Wald, Ackerland 370-436
Kleinleinungen Wald, Ackerland 253-270
Lengefeld Ackerland, Wald 255-300
Elbitz Ackerland 178-190
Meisberg Ackerland, Siedlung 220-265
Rossla Siedlung, Ackerland 145-190
Mansfeld Siedlung, Ackerland 230-253
Erdeborn Siedlung, Ackerland 95-100
Galgenberg Sonderbiotope, Ackerland 135-180

Auf Grundlage eines umfangreichen Datenbankbestandes an Neophytenstandorten kann ein Vergleich der gewählten Stichprobenflächen mit dem Gesamtbestand aller Langzeit untersuchten Neophyten gezogen werden. Die hier untersuchten sieben Neophyten (siehe nachfolgende Tabelle) zählen in ihrem Ausbreitungspotential als im besonderen Maße durch Veränderungen im Zuge des Klimawandels gefördert.

Deutscher NameWiss. NameInvasivitätsbewertung Sachsen-Anhalt
Bocksdorn Lycium barbarum  
Drüsenblättrige Kugeldistel Echinops sphaerocephalus  
Japanischer Staudenknöterich Fallopia japonica  
Mahonie Mahonia aquifolium  
Robinie Robinia pseudoacacia  
Sachalin Staudenknöterich Fallopia sachalinensis  
Weymouth-Kiefer Pinus strobus  
 
 
Schwarze Liste- Management-Liste
Enthält im Bezugsgebiet wild lebend vorkommende invasive gebietsfremde Arten, deren Vorkommen kleinräumig sind und für die keine geeigneten Sofortmaßnahmen bekannt sind ODER deren Vorkommen schon so großräumig sind, dass Maßnahmen nur in Einzelfällen sinnvoll sind.
 
Graue Liste -Handlungsliste
Diese Listenkategorie enthält jene gebietsfremden Arten, für die begründete Annahmen vorliegen, dass sie entweder heimische Arten direkt gefährden oder Lebensräume so verändern, dass dies (indirekt) heimische Arten gefährdet. Die negativen Auswirkungen sind auf Grund ungenügenden Wissensstands derzeit nicht endgültig zu beurteilen, aber ausreichend, um Maßnahmen zu begründen.
 
Graue Liste- Beobachtungsliste
Diese Listenkategorie enthält jene gebietsfremden Arten, für die Hinweise vorliegen, dass sie entweder heimische Arten direkt gefährden oder Lebensräume so verändern können, dass dies (indirekt) heimische Arten gefährdet. Für diese Arten stehen Monitoring und Forschung im Vordergrund, weiter gehende Handlungen erscheinen auf Grund des geringen Kenntnisstands nicht berechtfertigt zu sein.

Graphische Darstellung der Häufung von Neophyten von 1950 bis 2014

Die Geschwindigkeit der Zunahme der Fundpunkte hat sich in den letzten 65 Jahren bei allen untersuchten Arten deutlich erhöht. Der geringste Anstieg ist bei der Weymouth-Kiefer zu erkennen, den stärksten Anstieg zeigen die Kugeldisteln. Der letzte, steile Anstieg ist das Ergebnis der Kartierung der Stichprobeflächen. Hier zeigt sich deutlich, dass die bisher im Gesamtbestand vorliegenden Daten keine tatsächliche Verbreitung der Arten widerspiegelten. Dennoch soll die folgende Abbildung als eine Art Überblick zur Ausbreitung der untersuchten Neophyten im Landkreis Mansfeld-Südharz dienen. Eine Konzentration der Ausbreitung auf städtische Bereiche im Gegensatz zu eher rural geprägten Gebieten ist in diesem Zusammenhang ersichtlich.

Karte mit Neophytenfunden in Mansfeld-Südharz

Einen Ausblick zur vermuteten Bestandsentwicklung der untersuchten Neophyten sowie eine Auflistung ihrer Artenspezifischen Fern-Ausbreitungswege können den nachfolgenden Tabellen entnommen werden.

ArtFern-AusbreitungswegeDistanz
Kugeldistel-Arten Samen verbreiten sich durch Anhaften an Tieren (Klettverbreitung) Distanzanzeige von oben nach unten zunehmend 
Lupine Weidetiere verbreiten die Samen
Robinie Samen durch Wind maximal 100m verbreitet
Bocksdorn Vögel verbreiten die Früchte
Mahonie Vögel verbreiten die Früchte
Weymouthskiefer Eichhörnchen verbreiten die Zapfen
Staudenknöterich-Arten Pflanzenteile werden durch Wasser oder Erdarbeiten transportiert
ArtZunahme bis 2014Zunahme ab 2014Wirtschaftliche Auswirkungen
Staudenknöteriche +++ +++ Wasserwirtschaft, Straßenbau, Gebäudeschäden
Mahonie +++ +++ Eingeschränkte Naturverjüngung
Kugeldisteln +++ ++  
Bocksdorn ++ ++  
Robinie ++ ++  
Weymouthskiefer + +/- Eingeschränkte Naturverjüngung
Lupine + +/-  

Um die Ausbreitung der invasiven Neophyten zu bremsen sollte die Öffentlichkeit über die Folgen des Anbaus dieser Arten aufgeklärt werden. Folgende Empfehlungen sind hierbei zu beachten:

Lagern Sie keine Gartenabfälle in die Natur ab, denn von dort breiten sich die Gartenpflanzen in die heimischen Biotope aus. Kultivieren Sie keine invasiven Arten in der Nähe von FFH-Gebieten, denn sie können von dort durch Wind, Vögel oder Wasser in die Schutzgebiete ausgebreitet werden. Aus Gärten am Ufer von Flüssen und Bächen können Hochwasser Pflanzenteile mitreißen und woanders ablagern.

Daher bitten wir Sie, melden Sie Ihre Funde an die Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts durch Eintragung in das Fundmeldeformular auf der Internetseite www.korina.info oder per KORINA-App.